Medizin um 1500

Krankheiten

Die bekannteste Krankheit des Mittelalters dürfte die Pest sein. Die Pest, auch der „Schwarze Tod“ genannt kostete viele Menschenleben. Man versuchte sich gegen die Krankheit durch das Tragen von Masken und Verbrennen von Räuchermaterialien und Kräutern zu schützen. Diese Maßnahmen zeigten allerdings kaum Erfolg, da man die eigentlichen Überträger der Krankheit – Flöhe – noch nicht als solche ausgemacht hatte. Die Mediziner dachten, dass die Krankheit durch einatmen des sogenannten „Pesthauches“ hervorgerufen würde, der Herz und Lunge schädige.
Eine andere gefürchtete Krankheit war der „Aussatz“, heutzutage unter dem Namen Lepra bekannt. Man hielt diese Krankheit für hochansteckend, weshalb die Kranken andere Leute durch Klappern, Rasseln, etc. warnen mussten. Oftmals wurden die Leprakranken aber auch in „Leprosen- bzw. Sondersiechenhäusern“ untergebracht.
Syphilis war ebenfalls eine Krankheit mit der man zu damaliger Zeit zu kämpfen hatte. Die Krankheit wurde mit einer, in vielen Fällen ebenso tödliche Quecksilberkur behandelt. Hierzu wurden die Patienten mit einer Quecksilberhaltigen Salbe eingerieben und in einen warmen Raum gesperrt in dem sie bis zu 20 Tage ausharren mussten. Viele überlebten die Kur nicht.
Nicht außer Acht zu lassen sind auch die ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen, wie zum Beispiel Skorbut. Diese traten in Massen auf, da die Menschen oftmals Hunger zu leiden hatten oder ihnen keine Früchte oder Gemüse zur Verfügung standen.

Hygiene

Um 1500 gab es noch eine ausgeprägte Badekultur, die allerdings schon unter der Pest zu leiden hatte, da man jegliche Ansteckungsgefahr vermeiden wollte. Wenn man die Badehäuser verlässt und sich eine ganze Stadt vorstellt, wird man vielleicht nur an schlammige und staubige Gassen denken, was die damalige Realität zumindest teilweise verfehlt. Die Straßen und Gassen waren natürlich noch nicht so gut ausgebaut wie man es heutzutage gewöhnt ist, es existierten allerdings schon, teilweise ziemlich drakonische, Strafen, mit denen deren Verschmutzung geahndet wurde.

Medizinschulen

Um 1500 gab es schon einige große Städte die Medizinschulen bzw. Universitäten besaßen, an denen Medizin gelehrt wurde. Drei der bedeutensten Schulen gab es in Salerno, Toledo und Montpellier.

Salerno

Die Ursprünge der Schule reichen weit zurück. Erste Ansätze einer Vereinigung zur Pflege der Medizin soll es schon um 900 nach Christus gegeben haben. Ihre Blütezeit erlebte die Schule, in der arabische Texte übersetzt wurden aber erst im 12. Jahrhundert.
Die Schule bestach zudem durch ihre, zu jener Zeit einmaligen, Ausbildungsverordnung und ihre Richtlinien zur Arbeit der Apotheker.

Toledo

Als Medizinschule konnte sich die Schule von Toledo nicht mit jener in Salerno messen, allerdings verfügte die Schule über eine weithin bekannte Übersetzerwerkstatt.

Montpellier

Das im 12. Jahrhundert gegründete Medizinzentrum, das seine Blütezeit im 13. Jahrhundert hatte, setzte vor allem auf die eigene klinische Erfahrungsbildung.

Hospitäler

Die Hospitäler befanden sich meist in der Hand von Ordensgemeinschaften. Aber es entstanden auch immer mehr städtische Spitäler die sich selbst organisierten. Diese finanzierten sich durch den Verkauf von „Pflegeplätzen“, das heißt, dass reiche Bürger sich einen Raum für ihren Lebensabend kaufen konnten und dem Spital somit auch die Aufgaben eines Altenheimes, für wohlhabende Leute, zufielen.

Berühmte Ärtzte

Berühmte Ärtzte hat es bei allen Völkern, in allen Ländern und zu alllen Zeiten gegeben. Im folgenden werden nun einige der berühmtesten Europas um 1500 vorgestellt.

Giovanni Arcolano (* 1390 – 1393 Verona, † 1458 Ferrara)

Arcolonao studierte in Padua, wo er später auch im Fach Medizin promovierte. Nachdem er mehrere Professuren innegehabt hatte, besetzte er schließlich den Lehrstuhl für praktische Medizin in Bologna. Später wurde er Lehrer der Medizin an der Universtät von Ferrara. Durch seine Erfahrung, der Mitentdeckung der antiken und mittelalterlichen Tradition und der Mitarbeit in einem persisch-arabisch geprägten Lehrbetrieb erwarb er sich einen sehr guten Ruf als Arzt bzw. Gelehrter, der bis ins 16. Jahrhundert hinein erhalten blieb.
Seine beiden bekanntesten Werke sind die 1480 in Padua erschienenen „Practica Medica“ und „Expositio in primam fen. quarti Canonis Avicennae“.

Hieronymus Brunschwig (* ca. 1450 Straßburg, † 1512 / 1513 Straßburg)

Nach seiner Ausblidung als Wundarztgeselle nahm er an den Burgunderkriegen teil und arbeitete anschließend von 1474 bis zu seinem Tod als Stadtartzt in Straßburg. Sein bekanntestes Werk ist das „Buch der Cirurgia Hantwirckung der wundartzny „. Des weiteren schrieb er mehrere Bücher zum Thema Destillation.

Hans von Gersdorff (* um 1455 evtl. Sachsen oder Lausitz, † um 1529)

Von Gersdorff nahm an den Burgunderkriegen, auf Seiten Straßburgs, teil und war zudem Wundartzt in Straßburg. Sein bekanntestes Werk ist das „Feldtbuch der Wundartzney“, das zahlreiche Neuauflagen erlebte. Es gibt seine Erfahrung als praktizierender Artzt wieder und ist außerdem mit sehr guten und anschaulichen Holzschnitten illustriert.

Luigi Cornaro (* 1467 Padua, † 26.04.1566 Padua)

Cornare war Artzt im italienischen Padua. Seine Interessen galten dem Gesundheitswesen und der Diätik. Seine Schrift „Discorsi“wurde sogar im Ausland ceröffentlicht.

Eucharius Rößlin, der Ältere (* ca. 1470)

Er war zuerst Apotheker in Freiburg (im Breisgau) und ab 1506 Arzt der Stadt Frankfurt am Main. 1511 verließ er für einige Zeit Frankfurt und arbeitete in Worms, kehrte allerdings wieder in die Mainmetropole zurück. Sein bekanntestes Werk war „Der Swangern Frauen und hebammen Rosegarten“. Es machte ihm zu einem Experten auf dem Gebiet der Gynäkologie, bzw. insbesondere in Sachen Hebammenlehre.